Wegekreuz
Am Schmalaps
Diese Form des Kreuzes wurde nach den wiederholten Beschädigungen in den Jahren 2016 bis 2018 gewählt, um es vor erneutem Vandalismus zu bewahren. Das Vorgängerkreuz aus Holz mit einem Dach und einer Jesus-Figur wurde immer wieder demoliert und letztendlich mit einer Axt zerschlagen. Wie viele Vorgängerkreuze es gab, wird nicht mehr zu ermitteln sein, doch der besondere Platz lässt auf eine Tradition schließen.
Neuss-Rosellen
Am Fronhof
An der sog. Schmalapslinde, unter der das Kreuz steht, trafen sechs Wirtschaftswege aufeinander, deren genauen Verlauf der französische Geograph Jean Joseph Tranchot Anfang des 19. Jahrhunderts kartierte. Die Wege, die zu den umliegenden Höfen führten, sind nur noch teilweise erhalten. Der vom Kuckhof kommende Weg existiert heute noch und setzt sich in Richtung des Regenrückhaltebeckens im Stüttger Feld fort. Laut der Tranchotkarte führte er weiter Richtung Osten nach Uedesheim durch den Stüttger Busch, einem ehemals ausgedehnten Waldgebiet. Der Pfad nach Norden zum Elvekumer Hof ist inzwischen vollkommen überbaut und in keiner Weise mehr zu erkennen. Die Verbindung zu den südlich gelegenen Höfen teilte sich in drei unterschiedliche Strecken auf. Der südöstlichste Weg führte zum Sülzhof in Nievenheim, während die andere Route zum Wittgeshof in Dormagen abzweigte. Im äußersten Südwesten lag der Prozessionsweg der Gemeinde Rosellen, Ein Teil des Prozessionsweges folgte möglicherweise dem Verlauf einer von den Römern ausgebauten Verbindungsstrecke zwischen Köln und Neuss.
In den religiösen Vorstellungen der Römer spielten Wegekreuzungen eine bedeutende Rolle. An großen Straßenkreuzungen brachten Kaufleute an den Schreinen des Gottes Merkur Opfergaben dar. Wichtige Kreuzungen, deren Straßen zu römischen Militärlagern führten, waren zusätzlich durch Straßenstationen gesichert. Die dort stationierten Militärbeamten stifteten Weihesteine für die Vierwegegöttinnen. Fernab der Hauptstraßen kümmerten sich die Laren als Schutzgeister um Wege und Felder. Wo die Grenzen verschiedener Grundstücke zusammenliefen, wurde zu Ehren der Laren eine Kapelle gebaut, die von jedem Grundstück aus betreten werden konnte.
Als Teil des ungewöhnlichen Wegenetzes am Schmalaps befand sich möglicherweise schon zu jener Zeit ein Heiligtum an diesem Ort. Zumindest war und ist der Platz an der Schmalapslinde nicht nur eine Wegmarke, sondern zugleich ein Treffpunkt zum Austausch und eine Möglichkeit für eine kurze Rast.
- Hagen, Joseph: Römerstraßen der Rheinprovinz (1931), (Seite 96)
- Stadtkurier Neuss: Vandalen können es nicht lassen. Das Wegekreuz am Kuckhof wurde zum vierten Mal zerstört (18.04.2018)
- Neuss-Grevenbroicher Zeitung: Auf den Spuren von Trassen in der Zonser Heide. Römische Überreste in Dormagen (03.04.2024)